Die Deutsche Legende Ernie Stautner

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„Hall of Fame: Ernie „Ernst“ Stautner.

Defensive Tackle, 1,89 Meter, 107 Kilo, geboren am 20 April 1925 in Cham bei Regensburg. Boston College 1946-1949, von 1950-1964 Pittsburgh Steelers, 1965 Assistant Coach Washington Redskins, von 1966-1988 Defensive Coordinator und Line Coach der Dallas Cowboys.

Er wurde in der 2ten Runde des College Draft 1950 gewählt, er machte die Steelers Defense in den 50er Jahre trotz zahlreichen Niederlagen zu einer der härtesten Verteidigungen dieser Zeit.

Er wurde 9-mal in den Pro-Bowl berufen und 1956 sowie 1958 ins All Star Team der NFL gewählt.

1957 wurde er bester Line Spieler im Pro Bowl. Er erkämpfte 23 Fumbles und 3 Safeties in seiner Karriere und wurde 1969 in die Hall of Fame berufen.“

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Hätte Ernie Stautner auf den berühmten Notre-Dame-Coach Frank Leahy gehört, hätte er nie in einem Top College Team Football gespielt. Hätte er etwas auf den Rat von New York Giants Coach Steve Owen gegeben, hätte er seine Hoffnung auf eine Profi Karriere gleich begraben. Und hätte er auf seinem Vater gehört, hätte er nicht einmal High-School Football gespielt …… gäbe es keinen Deutschen in der Hall of Fame.

Aber Ernie wäre eben kein echter Bayer gewesen, hätte er sich von anderen was sagen lassen. Rückblickend machte er genau das richtige und lies sich nur von seinem Drang Football zu spielen lenken, erreichte er nach 14 Spielzeiten, dass er einer der besten Defense Spieler der NFL Geschichte wurde.

Es ist also kein Wunder das er bei seiner ersten Nominierung 1969 direkt in der Hall of Fame aufgenommen wurde.

Geboren wurde Ernie Stautner am 20 April 1925 in Cham (ca. 50 km nordöstlich von Regensburg), damals hätten seine Eltern sich nicht träumen lassen, dass Ihr Sohn in der neuen Heimat, in der sie 1928 ausgewandert sind ein großer Football Star werden wird.

Seinen ersten Kontakt mit dem Football hatte der kleine Ernie in den Sandkästen der Grundschule „Our Lady of Angels“ in Albany, wo er immer gegen ältere und größere spielte. Als er sich beim Spielen einmal verletzte und mit einem geschwollenen Knöchel nach Hause kam, war seine Football Karriere schon fast vorbei, bevor sie überhaupt erst begann. Der Grund war relativ einfach, zu dieser Zeit konnten es sich die  Stautners kaum leisten, unnötigerweise einen Arzt aufzusuchen. Sein Vater zeigte deshalb unbarmherzig mit dem Finger auf Ernie und sagte „Kein Football mehr!“ und „Kein Wiederwort!“. Ernie aber legte das ganz anders aus, indem er seinem Vater nicht wiedersprach, ahnte er nicht das Ernie einfach weiterspielte. Er ging damals auf die East Greenbush Schule, jedoch besaß diese kein eigenes Football Team und so überzeugte Ernie seine Eltern, das er im protestantischen Amerika keine katholische Erziehung gäbe. Er konnte so auf die Ascension Institute in Albany wechseln, das rein zufällig ein spitzen Team im High-School Football besaß.

Um die langen Abwesenheiten durch das Training zu erklären, suchte sich Ernie einen Job in einem Billigwarenlager. Doch viel mehr Mühe machte es ihm seine zahlreichen Schrammen im Gesicht und die blauen Flecke zu erklären. Aber irgendwann lautete seine Ausrede immer: „Wieder eine Schlägerei in der Schule Papa.“ Eines Tages brach er sich sogar im Training einmal das Schlüsselbein, doch Ernie war geübt darin auch dieses so lange zu vertuschen bis es wieder geheilt war. Sein Versteckspiel endete jedoch eines Tages abrupt als Ernie in das All Star Team von Albany berufen wurde und immer mehr Bekannte der Familie dem Vater zu dem Erfolg seines Sohn gratulierten.

Der Familienstolz des Vaters rettete schlussendlich die Karriere von Ernie, zudem war Stautner Senior der Meinung, dass das Football spielen eh mit dem High-School Abschluss vorbei sei. So schien es auch, den nach der High-School, wurde Ernie zu den US Marines eingezogen, von wo er erst 1946 entlassen wurde.  Nach der Entlassung folgte Ernie aber wieder seinen Drang Football zu spielen. Mittlerweile war er 100 Kilo schwer und 1,89 Meter groß, sein Weg zog ihn nach South Bend in Indiana um seinen Lebenstraum zu realisieren und für die Fighting Irish von Notre Dame zu spielen.

Die Ernüchterung kam sehr schnell, den Coach Leahy entschloss sich dazu Ernie kein Football Stipendium zu geben. Er bot Ernie zwar an auf den Campus zu arbeiten, aber für den College Football empfand er ihm zu langsam und zu klein. Ernie tat Rückblickend wieder das richtige und ging zum Boston College, wo er schlussendlich 4 Jahre unter Coach Denny Myers spielte und einige All American Auszeichnungen erlang. Nach seinem Hochschulabschluss hatte er ein neues Ziel vor Augen: Dem Profi Football! Sein Wunsch war es bei den New York Giants zu spielen. Jedoch bekam er auch von diesem eine Absage. „Ich glaube nicht, dass Du die richtige Größe hast mein Sohn“ sagte Coach Owen ohne zu zögern, „jedenfalls die Größe für einen Profi. Unser kleinster Tackle wiegt alleine 113 Kilo und davon bist du noch weit entfernt.“

Mehr Weitblick hatte hingegen da schon die Pittsburgh Steelers, die immerhin ihr Glück mit dem Line Spieler mit den guten College Empfehlungen und den brennenden Wunsch Football zu spielen zu versuchen. So kam es dann, das Ernie 1950 in der 2ten Runde gedraftet wurde.

Selbst die allerbesten Defense Spieler haben nicht die Möglichkeit die Entwicklung ihres Teams entscheidend zu beeinflussen. Auch Ernie machte da keine Ausnahme. Während seiner 14-jährigen Karriere bei den Steelers, hatte das Team nie eine Chance auf den Meistertitel, es gelang ihnen nur 4 Mal eine Positive Saison zu erzielen.

Doch was Ernie tat, ist das er den treuen Steelers, einen Helden in der Steelers Defense gab. Die Steelers Defense war eine der härtesten Defense der NFL zu dieser Zeit. Selbst heutige Experten sagen noch das Ernie der beste Defense Spieler in der Geschichte der Steelers sei.

1950 lagen die Scouting Anforderung an die Spieler anders als zur heutigen Zeit, so wurden Eigenschaften wie Kampfeswillen, Teamgeist, eisenharte Einstellung und Siegeswillen mit einbezogen. Ernie nutze seine Chance und bewies das er genau dieses im Überfluss besaß.

Gleich vom ersten Trainingscamp an fühlte Ernie die Notwendigkeit zu beweisen, dass er ein richtiger Kerl war, der zum Football spielen berufen war. „Es gibt nur einen Weg für mich, um hier bleiben zu können“, sinnierte er, „ich muss gemein sein. Bei meiner Größe kann ich es mir nicht leisten, das Spiel auf eine andere Weise zu spielen. Wenn ich nicht härter als die großen Kerle bin und sie einschüchtere, werde ich nie eine Chance gegen sie haben.“ Er fand sehr schnell seinen eigenen Stil, den er 14 Jahre auch beibehielt und den auch die größten seiner Gegenspieler schmerzlich am eigenen Leib zu spüren bekamen.

In der Pro Bowl 1957 musste er gegen den berühmten Offensive Guard Jim Parker (Baltimore Colts) antreten, der ca. 20 Kilo schwerer war als er. Trotz alledem gewann Ernie am Ende des Spiels die Auszeichnung als bester Line Spieler! Parker sagte nach dem Spiel: „Dieser Mann ist kein Mensch, er ist viel zu stark für einen Menschen. Er kommt wieder und wieder und wieder. Und jedes Mal wenn er wiederkommt, kommt er härter.“ Ein anderer berühmter NFL Veteran von den Dallas Cowboys, Tackle Bob Fry, der Stautner oft in seiner neun jährigen Karriere begegnete, sagte ähnliches über ihn aus. „Ernie gibt dir regelrecht körperliche Prügel, im ersten Spielzug wie im letzten. Er gibt nie auf“. Und zu Stautners Technik meinte er: „Er geht runter und springt dich dann an. Es ist so, als habe er sich eine Stelle fünf Yard hinter dir markiert und er gibt nicht auf solange er da ist“.

Kein Wunder also das Ernie schnell zum Chef der Defense wurde, ein Recht das er auch ab und zu verteidigen musste, so etwa, als ein Steelers Rookie eine Rauferei mit ihm anzettelte, die aber schon nach wenigen Sekunden mit  schrecklichen Prügel für ihn endete. „Mein College Coach hat mir gesagt, der beste Weg in ein Profi Team zu kommen, wäre es, sich den stärksten Mann auszusuchen und sich mit ihm zu prügeln. Ich muss feststellen, dass das ein schlechter Rat war!“ meinte er anschließend zu seiner Entschuldigung. Es gab kaum einen Spieler der heißer  darauf war zu kämpfen. Stautner hatte alles getan, um zu spielen und dem Team zu helfen. Er wechselte oft auch auf die Position des Defensive Ends und in seiner Anfangszeit spielte er sogar auch mal Offensive Line.

Eine der berühmtesten Geschichte über Ernie ist folgende, 1955 beim Spiel gegen die New York Giants war Ernie für die Offensive Line aufgestellt und er wurde immer nervöser als er merkte das die Giants kurz davor waren den siegbringen Touchdown zu erzielen. Er hielt es nicht mehr aus, setzte seinen Helm auf und schrie den Assistent Coach an „Ich gehe jetzt rein“. Unter der Leitung von Ernie, hielt die Goal Line der Stellers und die Steelers gewannen zum Schluss mit 19:17 gegen die Giants, indem sie vier Versuche von der 6 Yard Line stoppten. Ernie trat zu allen seinen Spielen immer in Topform an und so wundert es auch nicht das er in seinen 14 Jahren Profi Football nur 6 Spiele verpasste und diese auch nur in 2 Saisons.

Nicht dass er keine Verletzungen hatte, doch Ernie spielte selbst noch mit einer angebrochenen Rippe, gebrochenen Schultergelenk, einer gebrochenen Hand und zahlreichen Nasenbeinbrüchen seine Spiele zu ende. Manchmal schien es so, dass er immer noch die Angst seiner Kindheit in sich trägt nie mehr Football spielen zu dürfen.  Dabei war seine Philosophie so simple, „ich will Football spielen, wann immer und wo immer es nötig ist.“ Veteranen im Grabenkampf der Football Lines ziehen ihre Befriedigung daraus, gut gespielt und Ihr Bestes gegeben zu haben und die Regel besagt, dass ein Defensive Tackle selten in der Schlagzeile und noch seltener in den Rekordbüchern steht.  Doch Ernie schaffte auch letzteres und das sogar zweimal.

Aber Statistiken können nicht das wiedergeben was Ernie zu einem der großen in diesem Sport machte. Quarteback Bobby Layne, einer seiner langjährigen Teamkollegen und einer der jenigen die selber zu den großen der NFL gezählt werden, beharrte darauf das Ernie Stautner der größte Kämpfer war, den er je gesehen habe.

Als Ernie 1964 im Alter von 39 Jahren seinen Rücktritt erklärte, waren sich alle damaligen Experten einig, dass es nicht lange dauern wird bis er in die Hall Fame gewählt werden würde. Und es dauerte genau jene fünf Jahre, die als Wartezeit nach dem Rücktritt notwendig sind um gewählt zu werden. „Mann, was für ein Gefühl! Aber ich bin froh, damals gespielt zu haben. Heutzutage würde ich es wahrscheinlich nicht geschafft haben. Ich glaube, ich hätte die Prügel, die die Spieler jede Woche einstecken mussten, nicht ausgehalten“, meinte Stautner zu den Reportern. Die ist wahrscheinlich ein sehr bescheidenes Statement nach NFL Standards, zu mindestens für einen Mann der seine Gegner 14 Jahre lang über den Platz prügelte.

Die Steelers ehrten Stautner indem sie seine Jersey Nummer #70 nie mehr vergeben werden, eine Ehre die gerade in der NFL nur sehr wenige Spieler vorbehalten ist.

Ernie hatten in den letzten beiden Jahren auch als Assistent Coach für die Defense gearbeitet, nach seiner aktiven Laufbahn schlug er ganz die Trainerlaufbahn ein. 1965 übernahm er einen Trainerjob bei den Washington Redskins und wechsele dann 1966 zu den Dallas Cowboys wo er als Defensive Koordinator und Defensive Line Coach bis 1988 arbeitete. Als Trainer gelang ihn das was ihm mit den Steelers die 14 Jahre nicht gelingen sollte und zwar den Super Bowl zu gewinnen.

Nach zwei weiteren Stationen als Assistenztrainer in der Arena Football League und bei den Denver Broncos setzte er sich nach der Saison 1994 zur Ruhe, ließ sich allerdings überreden in Europa ein Traineramt zu übernehmen. Von 1995 bis 1997 war er als Trainer bei der deutschen NFL Europe Mannschaft Frankfurt Galaxy tätig. Mit dieser Mannschaft konnte er auch 1995 den World Bowl in Amsterdam gegen die Amsterdam Admirals mit 26:22 vor 10.000 mitgereisten Frankfurter Fans gewinnen. 1997 beendete seine Trainer Karriere dann endgültig.

1998, nur ein Jahr nach seinem endgültigen Abschied aus dem Profi-Football, wurde bei Ernie Stautner die Alzheimer-Krankheit diagnostiziert. Er verstarb im Jahr 2006 in Carbondale, Colorado.

Ernie ist immer noch der einzige Deutsche Football Hall of Famer.

Karriereinformationen

  • Aktiv: 1950–1963
  • NFL Draft: 1950 / Runde: 2 / Pick: 22
  • College: Boston College

Spieler

  • Pittsburgh Steelers (1950–1963)

Trainer

  • Pittsburgh Steelers (1963, 1964)
  • Washington Redskins (1965)
  • Dallas Cowboys (1966–1988)
  • Dallas Texans (1990, 1991)
  • Denver Broncos (1991–1994)
  • Frankfurt Galaxy (1995–1997)

Karrierehöhepunkte und Auszeichnungen

  • 9× Pro Bowl Wahl (1952, 1953, 1955, 1956, 1957, 1958, 1959, 1960, 1961)
  • 10× All-Pro Wahl (1952, 1953, 1954, 1955, 1956, 1957, 1958, 1959, 1960, 1961)
  • 2× Super Bowl Gewinner (VI, XII)
  • 1× World Bowl Gewinner
  • World League Coach of the Year (1995)
  • Pro Bowl MVP (1957)
  • Pittsburgh Steelers Rückennummer gesperrt
  • NFL 1950s All-Decade Team
  • Pro Football Hall of Fame
  • Boston College Varsity Club Athletic Hall of Fame
  • Pittsburgh Pro Football Hall of Fame (2011)

 

Links:

https://www.youtube.com/watch?v=7lIA9jhdkno

https://www.youtube.com/watch?v=-2JwmnMhxN4