Das Problemlösen im American Football

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Probleme, seien sie taktischer, motivationaler oder physischer Natur, treten im Trainings Alltag jedes Coaches und Spieler auf. Setzt man sich mit einem Problem auseinander, so lässt sich durch ein planvolles und strukturiertes Vorgehen eine höhere Effektivität erreichen, sowohl was das Erfinden von Lösungen angeht als auch was den dazu notwendigen Zeitaufwand betrifft. Dazu tragen auf der einen Seite eine lockere, die Kreativität fördernde Atmosphäre und auf der anderen Seite ein zielgerichtetes Vorgehen bei.

Grundsätzlich kann man der Bearbeitung eines Problems in 6 Phasen unterscheiden.

1 . Präsentation des Problems

Zu Beginn eines Coaching Meetings stellt ein Coach einen als problematisch erlebten Sachverhalt aus der
Trainings- und Spielpraxis vor. Dabei mag es sich um Probleme des Teams oder einzelner Spieler handeln.
Auch solche Probleme, die direkt die Person des Coaches betreffen, kommen zur Sprache. Oft stellen die
Coaches zunächst ihre eigene Sichtweise (Erfahrung) einer Situation dar, die stark emotional getönt und
belastend sein kann. Das Aussprechen und Verarbeiten solcher Stimmungen und Gefühle kann dabei schon
eine befreiende Wirkung haben.

2. Ausarbeitung des Problems

Der genannte Sachverhalt wird dann gemeinsam vor dem Hintergrund einer bestimmter Zielsetzung des
Headcoaches näher beleuchtet. Hier werden die Versuche, die der Coach bisher zur Problemlösung unternommen hat, zusammengetragen und es wird gefragt, wie sich der Coach das Zustandekommen des Problems erklärt. Weiterhin wird nach Zusammenhängen mit anderen Situationen gesucht, und die Sichtweisen anderer, mit dem Problem verbundener Personen werden erfragt. Wie jede Medaille zwei Seiten hat, so haben auch Probleme oft positiver Aspekte. Deshalb gilt es herauszuarbeiten, was im einzelnen für Veränderungsbedürftig gehalten wird und was so bleiben sollte, wie es ist.

3. Entwicklung neuer Ideen

Von zentraler Wichtigkeit bei der Lösung von Problemen ist der Prozess der Ideen Entwicklung. In dieser dritten Phase werden von Coaches und HelpingHands neue Möglichkeiten erdacht, um das bisherige Problem in einem neuen Licht erscheinen lassen. In einem Brainstorming werden möglichst viele verschiedene Einfälle zusammengetragen. Neue Perspektiven werden durch Fragen der HelpingHands angeregt. So soll z.B. der Coach konkret beschreiben, wie er sich die Situation nach einer Problemlösung vorstellt. Oft ist es sinnvoll, den Veränderungsweg in einzelne kleine Schritte zu unterteilen, die fassbarer und realistischer sind als eine Problemlösung auf einen Schlag. Erinnerungen an vergleichbare frühere Situationen beinhalten Erfahrungen, die sich für die Bearbeitung des gegenwärtigen Problems nutzbar machen lassen. Fragen nach einer Verstärkung des Problems decken oft Mechanismen auf, durch die Einfluss auf die Situation gewonnen werden kann.

4. Entwicklung und Prüfung von Maßnahmen

Der Coach beurteilt dann in einer nächsten Phase die Angemessenheit der entwickelten Ideen für die momentane Situation. Im einzelnen ist zu prüfen, welche Voraussetzungen für eine Maßnahme notwendig sind und zu welchen Nebenwirkungen -erwünschte und unerwünschtes kommen könnte. Der Coach schätz ein, wie die Maßnahme bei seinem Spieler/,seinem Team wirken wird und fragt sich, ob die Maßnahme in das Umfeld passt. Schließlich ist abzuwägen, in welchem Verhältnis Aufwand und Nutzen zueinander stehen. Die HelpingHands unterstützen den Coach bei seinen Checks und regen zu einer ausführlichen Reflexion aller Bedingungsfaktoren an. Am Ende dieser Phase steht die Entscheidung für eine bestimmte Maßnahmen.

5. Durchführung der Maßnahme

Während sich die Phasen 1 bis 4 auf das Gespräch zwischen Coach und HelpingHands beziehen, findet die Umsetzung der Ergebnisse der Beratungsrunde in eigener Regie des Coaches statt. Er gibt die geplante Maßnahme an das Team oder an einzelne Spieler weiter. Dabei ist besondere Aufmerksamkeit für die momentane Situation der Adressaten erforderlich. Er muß beobachten, wie diese auf seine Vorschläge und Eingriffe reagieren, und flexibel sein, um die Intervention auch modifizieren, ergänzen oder verschieben zu können, wenn es nach seiner aktuellen Einschätzung als notwendig erscheint.

6. Bewertung der MaßnahmeI

Im Training und im Verlauf des Spieles selbst erhält der Coach Informationen, wie die durchgeführte Maßnahme gewirkt hat. Neben seinen eigenen Beobachtungen sind auch die Reaktionen anderer Beteiligter wie Spieler oder Zuschauer wichtig. Unter Berücksichtigung möglichst vieler Aspekte kommt der Coach so zu einer Einschätzung der Wirksamkeit der Maßnahme. Informationen hierüber können wiederum zum Gegenstand einer neuen Phase 1 in einer der nächsten Beratungsrunden werden. Die Vernetzung komplexer Systeme zeigt sich hier in der Vielgestaltigkeit von Folgewirkungen, die zusammen eine neue Situation für Coach und Spieler schaffen. In diesem Sinne ist Problemlösung kein Prozeß mit einem klar zu definierenden Anfang und Ende, sondern ein Ausschnitt aus der Entwicklung eines Systems in der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt.