Entwicklung der Offense Formationen

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Nicht jede Formation ist für jede Art von Spielzügen und Taktiken geeignet. Jede Formationhat bestimmte Vorteile, aber auch einige Nachteile. Die Anzahl der inzwischen benutzen Formationen ist in der NFL und auch im College Bereich nahezu unüberschaubar geworden. Während bis in die 70 Jahre NFL Teams in der Regel nur zwei oder drei Formationen spielten, gleichzeitig aber über unzählige Spielzüge verfügten, geht der Trend inzwischen in die andere Richtung. Die Anzahl der Spielzüge wird geringer, die Anzahl der Formationen steigt dafür aber mittlerweile rapide an.

Damals war man der Auffassung, dass es besser sei, immer die Formation zu spielen, um der Defense keinen Anhaltspunkt zu geben welcher Spielzug als nächstes kommt. Denn bestimmte Spielzüge wurden nur aus bestimmten Formationen gespielt. Für eine aufmerksame Defense war es leicht so diesen Spielzug zu stoppen. Schon im Jahre 1968 stellte Joe Paterno, Head Coach der Universität Penn State fest, dass man die Defense nicht ständig mit unveränderter Taktik überwinden kann. Dazu wären diese inzwischen zu gut geschult. Spielzüge werden deshalb heute so konzipiert, dass sie aus unzähligen Formationen heraus gespielt werden können. Die Defense kann also aus der Formation keine Rückschlüsse mehr auf den kommenden Spielzug ziehen. Die Offense ihrerseits spekuliert darauf, dass die Defense auf jede gezeigte Formation der Offense und deren spezifische Stärke und Schwächen anders reagiert, sich anders postiert und damit an bestimmten Stellen verwundbar macht. Und da jeder Spielzug aus jeder Formation spielbar ist, kann die Defense an ihrem jeweiligen gezeigten Schwachstellen attackiert werden.

Um alle Formationen darzustellen und zu erklären, ist dieses Handout nicht gedacht. Wir konzentrieren uns auf die wesentlichen.

Es gibt dabei verschiedenen Arten, Formationen einzuteilen. Wir werden dies entsprechend ihrer Bezeichnungen tun. Die Bezeichnungen haben immer auch einen Bezug zu den Spielern und ihrer jeweiligen Position in dieser Formation, weshalb die gesamte Terminologie im Football sehr leicht erlernbar ist. Mal sind die Running Backs und mal die Receiver, welche der jeweiligen Formation ihren Namen geben.

Zu den Anfangszeiten des Footballs wurden Spielzüge mit Ziffern versehen. Bei den Formation entschied man sich fast folgerichtig zunächst für Buchstaben. Die „A“ -, „B“-, „I“-, oder „T“-Formationen entstanden. Mit der steigenden Anzahl an Formationen erwies sich die reine Benennung nach Buchstaben jedoch als nicht mehr praktikabel. Griffige und vor allen einprägsame Bezeichnungen, die auch Verwechslungen ausschlossen, mussten her. Deshalb bestimmten Begriffe, an denen sich bestimmte Wesenszüge einer Formation festmachen lassen, von nun an das Geschehen.

Doch zunächst wieder ein kleiner Ausflug in die Historie:

Nach dem Running Back benannte Formationen

Die „T-Formation“ ist quasi Vater/Mutter aller Formationen. Sie stellte erstmals den Quarterback direkt hinter den Center und machte ein vielseitiges Angriffsspiel durch die Running Backs erst möglich. Den Namen „T“ erhielt sie durch die Anordnung der Spieler im Backfield (Quarterback und drei Runningbacks), die den Buchstaben T formen. Von dort war es nur ein kleiner Schritt zur „I-Formation“. Hier bilden diese vier Spieler eine lange Reihe und damit quasi den Buchstaben „I“. Beide Formationen sind heute eher sehr selten. Die

T-Formation findet sich nur noch im High School Football, die I-Formation hat in veränderter Form überlebt und erfreut sich großer Popularität. Aber auch die Urform – heute „Full I“ oder „Solid I“ genannt – ist noch an einigen Colleges zu finden.

 

 

 

 

 

 

Von der T-Formation war es nur ein kleiner Schritt zu den Formationen, die wir heute Woche für Woche auf den Spielfelder zu sehen. Zunächst wurde die Anzahl an Running Backs zugunsten eines stärkeren Passspiels auf zwei Spielern reduziert, indem man einen Halfback nach außen an die Flanke der Formation stellte, der Flankerback war geboren.

Die verbleibende Anordnung im Backfield der Offense hieß nun „Split-T“, da man die T-Formation „geteilt“ hatte. Wenig später wurde daraus die Split-Formation, indem man den Fullback analog des Halfbacks hinter einen der Offense Liner postierte. Diese beiden Varianten sind auch heute noch die populärsten Anordnungen für die Running Back. Dies ist vor allem der Ausgewogenheit der Formation geschuldet. Üblicherweise wird diese Anordnung mit zwei Receivern und einem Tight End kombiniert.

 

 

 

 

 

 

Damit ist diese Formation für Lauf- und Passspielzügen gleichermaßen geeignet. Beide Running Backs können auf Grund ihrer Position gut in der Passspiel integriert werden.

Gegenüber der „Split T“ ist die große Entfernung zwischen den Running Backs beim Laufspiel aber auch von Nachteil. Aktionen wie etwa das „Counter Play“ sind nur sehr schwer durchzuführen. Dafür drängt sich die Anordnung der Running Backs für das „Quick Running Game“ geradezu auf.

Die heutige „I-Formation“ besteht gegenüber der „Full-I“ ebenfalls nur noch aus zwei Running Backs. Damit hat man auch hier den Trend, das Passspiel stärker in den Vordergrund zu stellen, Rechnung getragen, ohne die klassische Aufstellung gänzlich zu vernachlässigen. Der Buchstabe I hat für die Aufstellung nach wie vor Gültigkeit. Die „I-Formation“ ist durch Anordnung der beiden Running Backs ganz besonders für das „Power Running Game“ und natürlich den Einsatz von „Play Action Pässen“ geeignet. Der Fullback kann bei nahezu allen Spielzügen als weiterer Blocker für den Halfback genutzt werden. Nicht umsonst wird diese Formation von Teams genutzt, die über einen dominierenden Running Back verfügen, der hier als Tailback genannt wird, weil er am Ende der Formation steht. Der Fullback dagegen erfüllt hier fast ausschließlich Block-Aufgaben, was ein Nachteil in der strategischen Ausrichtung der Formation ist.

 

 

 

 

 

 

Eine vor allem in der NFL sehr populäre Variante ist die sogenannte „Offset I Formation“. Hier wird der Fullback zu einer der beiden Seiten verschoben. Damit wird versucht, die Vorteile der „Split Formation“ mit denen der „I Formation“ zu vereinen. Vor allem das „Zone Play“ wird gern aus dieser Formation eingesetzt.

Dennoch bleibt hier der Einsatz der Running Backs beim Passspiel durch ihre Anordnung eingeschränkt. Beide Running Backs benötigen durch die räumliche Distanz einige Zeit, bevor sie ins Backfield der Defense vordringen können.

Dieses Ziel ist bei Passspiel jedoch nicht immer vorhanden.

 

 

 

 

 

Eine weitere Modifikation ist die „Power I Formation“. Hier wird ein dritter Running Back zu Lasten der Receiver eingesetzt. Zusammen mit zwei Tight End sieht man diese Formation sehr häufig, wenn nur noch wenige Yards bis in die Endzone oder bis zu einem First Down zurückzulegen sind. Hier wird in bester Tradition versucht, die Defense einfach zu überrennen.

In den internen Terminologien der Teams heißt diese Formation nicht umsonst öfters einmal „Jumbo Pack“ oder „Heavy Formation“.

 

 

 

 

 

Die „Wishbone“ ist ebenfalls eine Formation mit drei Running Backs, weshalb sie besonders für das Laufspiel Verwendung findet oder besser fand. Ihren Namen erhielt sie durch die Anordnung des Backfields in Form des Schlüsselbeins bzw. Gabelbeins (Wishbone).

Sie war das klassische Gerüst für das „Triple Option Play“. Heute ist diese Formation aber nur noch in seltenen Fällen im College Bereich zu sehen. Inzwischen wird das „Triple Option Play“ bevorzugt aus Formationen mit zwei Running Backs gespielt, etwas der Split-Formation.

So steht ein weiterer Receiver für das Passspiel zu Verfügung.

 

 

 

 

 

 

Nach den Receivern benannte Formationen

Auch hier gibt es eine klassische Formation, die sich aus der T-Formation entwickelt hat. Neben der bereits beschriebenen Veränderung eines Halfbacks in einen Flankerback, wird hier einer der beiden Tight Ends in einen Split End umgewandelt, und schon ist die seit Jahrzehnten populärste Formation im Football entstanden. Nur der Name ist etwas untypisch.

Da diese Formation am häufigsten bei den Profis in der NFL zu finden war und noch immer ist, erhielt sie den Namen Pro Formation.

 

 

 

 

 

 

Hier kommen nun auch erstmals die Begriffe „Strong“ und Weak Side“ der Formationen ins Spiel. Es gibt zwei verschiedene Systeme diese beiden Seiten zu identifizieren, ganz nach Gusto des Coaches. Zum einen wird als „Strong Side“ oftmals die Seite bezeichnet, auf der ein Tight End steht. Grundgedanke ist hierbei: das diese Seite in der Regel drei Blocker auf der einen Seite vom Center vereint, während die andere Seite in der Regelzwei Blocker neben den Center verfügt. Dies ist ein relativ einfaches System, welches jedoch den Kern der Sache nicht immer trifft. werden hierbei die Spieler im Backfield doch einfach ausgeblendet. Nimmt man diese hinzu, ist diese so genannte „Strong Side“ nicht wirklich immer die starke Seite der Formation. Deshalb wird in manchen Systemen die Seite als „Strong Side“ bezeichnet, auf der mehr Spieler der gesamten Offense stehen. Im folgenden Beispiel ist dies nicht die Seite mit dem Tight End, sondern genau die anderen.

 

 

 

 

 

Wofür ist das Wichtig? Üblicherweise gibt die „Strong Side“ auch die genaue Aufstellung für die Spieler vor. So ist eine „Pro Rright“ doch die meisten Spieler etwas anderes als eine „Pro Left“ oder eine „I Twins Right“ etwas deutlich anderes als eine „I Twins Left“. Welcher der beiden Varianten man den Vorzug gibt, ist ohne Bedeutung. Wichtig ist, dass alle Spieler unter „Strong Side“ das gleiche verstehen.

Womit wir uns nun der „Twins Formation“ zuwenden. Hier werden die Receiver, wie der Name sagt, als „Zwillinge“ postiert. Dies mögen Abwehrreihen nicht so gern, sprengt es doch die Formationen der Defensive Backs oder der Linebacker, je nachdem welche strategische Ausrichtung gewählt wurde. Denn die Defense muss sich entscheiden, ob sie den zweiten Receiver durch einen Linebacker abschirmen lässt – bei der Schnelligkeit der heutigen Receiver keine besonders kluge Entscheidung – beide Cornerbacks auf derselben Seite gegenüber den Receiver postiert oder einen Safetie nach vorn zieht. Auf jeden Fall muss die Defense damit ihre angestammte reguläre Formation verlassen und verschiedene Anpassungsmanöver vollziehen. Und dies tun Abwehrspieler nur sehr ungern. Hinzu kommt, dass die beiden Receiver durch ihre unmittelbare Nähe eine Vielzahl von aufeinander abgestimmten Passrouten laufen können, sehr zum Verduß der Defensive Backs.

 

 

 

 

 

Das ganze auf die Spitze treiben kann man mit der Trips Formation (Drillinge) oder der Quad Formation (Vierlinge). Allerdings haben diese wieder den Nachteil, dass man dafür einen oder sogar zwei Running Backs gegen Receiver austauschen muss. Dies reduziert die Option für das Laufspiel sehr deutlich, bis hin zu unmöglich (bei der Quad), da schlicht gar keine Running Back mehr auf den Platz ist. Insofern ist es für die Defense ein Leichtes, vorherzusehen dass der kommende Spielzug ein Pass sein wird. Bei allen weiteren Varianten spricht man auch von „One“ oder „No Back Formationen“, gemessen an der Anzahl an Running Backs.

 

 

 

 

 

 

Zwei mit der „Wiedergeburt“ der Spread Offense“ populär gewordenen Formationen sind die „Double Wing“ und die „Double Slot“. Beide sind richtig alt und wurden der Mottenkiste des Footballs wieder entnommen, entstaubt und ein wenig modifiziert. Ein weiterer Beleg, dass Football Taktik sich in kreis ähnlicher Manier fortentwickelt und irgendwann wieder an ihrem Ausgangspunkt landet.

 

 

 

 

 

So können alte Coaches manchmal nur müde lächeln, wenn Journalisten sich wieder begierig auf eine angeblich neue innovative Offense stürzen. Eine dieser „recycelten“ Formationen ist die „Double Wing“, Sie trägt diesen Namen, weil sich an beiden Enden der Aufstellung „Wingbacks“ befinden.

Auf den ersten Blick sieht diese Formation ziemlich unbrauchbar aus. Es gibt keine „Split Ends“ für ein weiträumiges Passspiel, alles steht dicht gedrängt in der Mitte der Formation und der einzelne Running Back wirkt alleine im Backfield etwas verloren. Also schwaches Pass- und schwaches Laufspiel?

Mitnichten! Diese Formation hat es bildlich gesprochen faustdick hinter den Ohren, denn beide Wingbacks fungieren in einer Doppelrolle – sowohl als Ballträger als auch als Receiver. Sie sollten dafür allerdings unbedingt die entsprechenden athletischen Voraussetzungen besitzen, damit sie Ihre Aufgabe meistern können. Aus dieser Formation lassen sich vier Receiver blitzschnell ins Spiel bringen (zwei Wingbacks und zwei Tight Ends), gleichzeitig sind aber auch Laufattacken unter Einbeziehung der Wingbacks möglich. Vor allem das gefürchtete „Triple Option Play“ lässt sich hervorragend aus dieser Formation spielen.

 

 

 

 

 

 

Nicht ganz so alt, aber auch historisch, ist die „Double Slot“. Hier befinden sich, wie der Name schon sagt, zwei „Slotbacks“ an beiden Seiten der Formation. Die Tight Ends wurden zugunsten zweier „Split Ends“ aufgegeben. Dieses zwingt die Defense, die gesamte breite des Feldes gegen einen möglichen Pass zu verteidigen. Aus dieser Formation sind naturgemäß viel mehr Passspielzüge möglich, gleichzeitig sind aber auch weiterhin fast alle Laufspielvarianten möglich. Allerdings schränkt der Verlust der Tight Ends als ein zusätzlicher Blocker das „Power Running Game“ erheblich ein.