Man Coverage und die Bedeutung für den DB

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Was genau bedeutet Man Coverage für den DB? Dieser Frage wollen wir jetzt anhand der Cover 1 auf den Grund gehen.

Let´s get personal!

Normalerweise ist es so, wenn der Defensive Coordinator die Man Coverage wählt, ist das eine Ansage!

Den damit sagt der Defensive Coordinator: “Meine DBs sind alle besser, als deine Receiver!” Und dies nicht nur athletisch, sondern auch technisch. Ist der Call im Hudle Man Coverage muss sich auf dem Gesicht des DB ein Grinsen breit machen! Denn die erste und wichtigste Voraussetzung für einen DB, in Man Coverage zu bestehen, ist “Selbstbewusstsein” und das Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten. Man Coverage ist die persönlichste Form der Pass Verteidigung; es ist ein Zweikampf zwischen dem DB und dem WR, welchen der Bessere gewinnen wird! Damit es der DB ist, der den Zweikampf gewinnt, muss der DB in 3 Bereichen geschult werden:

  • Athletik
  • Technik
  • Disziplin

Wenn wir uns die 3 Bereiche ansehen, sehen wir, dass 2 im mentalen Bereich liegen und die Ausschöpfung ihres Potenzial liegt weit niedriger als bei der Athletik.

Im Grundsatz ist Man 2 Man Coverage sehr einfach … Jeder DB stellt sich einem WR gegenüber und deckt diesen Man zu Man. So klingt das Man Coverage Konzept zunächst deutlich einfacher, als z.b. ein Firezone Concept …. Jedoch ist dieses weit gefehlt! Schaut man sich nämlich die individuellen Techniken der Pass Verteidiger an, wird einem schnell klar: Man Coverage erfordert deutlich mehr individuelle Techniken, was deutlich mehr individuelles Coaching bedeutet!

Im modernen American Football hat sich das Offensive Spiel gewandelt. So ist dem Pass Spiel eine größere Rolle zuteil geworden. In den Modernen Offensive Konzepten, wie Run & Shoot, West Coast und Air Raid, bauen einige Offensive Coaches ihren Offensive Gameplan auf über 90% Pass Spiel auf. Dies zwingt die Defensive ihrerseits zur Entwicklung geeigneter Pass Verteidigungskonzepte. Hier unterscheidet man im Grundsatz zwischen 2 Gruppen: Man Coverage und Zonen Coverage. 

Warum Man Coverage?

Vergleichen wir nun Zonen Coverage mit der Man Coverage, sehen wir die Vorteile der Zonen Coverage darin, dass sich die athletischen Schwächen der Pass Verteidiger ausgleichen lassen. Warum also eine Man Coverage spielen, wenn sich mit der Zonen Coverage die Schwächen ausgleichen lassen und sich der Defensive Coordinator keine Gedanken darüber machen muss, ob seine DBs besser sind als die WRs des Gegners? Die Problematik in der Zonen Coverage sind die Lücken in den Schnittstellen (Soft Spots), der verschiedenen Zonen. Diese kann ein routinierter Quarterback sehr leicht nutzen. Gerade dann, wenn er seinen Rhythmus im Spiel findet. Denn sobald der Quarterback in der Pocket sitzen und in aller ruhe die Bälle verteilen kann, wird es schwer für die Defense die Coverage aufrecht zu halten. Und genau hier kommt die Man Coverage zum Tragen! Zum einen wird der Qurterback unterdruck gesetzt, indem er gezielt LB und DB auf einem Blitz geschickt werden. Zum anderen wird durch eine enge Man Coverage der WR langsamer gemacht, da er sich von seinem “Man Decker” frei laufen muss. 

Man 2 Man ist jedoch nicht gleich Man 2 Man! Die individuellen Techniken des DB sind von verschiedenen äußeren Faktoren abhängig, wie Down and Distance, Fieldzone (Must Zone, Free Zone, Red Zone), Split der WR (Divider Rules), Offense Formationen und natürlich auch die Coverage der Defense. 

Bevor wir aber auf die Techniken eingehen, sollten wir uns zunächst einen Überblick über den konzeptionellen Gesamtzusammenhang der man Coverage in einer defensiven Strategie verschaffen.

  • Cover 0
  • Cover 1
  • Cover 1 – Rat in the Hole
  • Cover 2 Man
  • Bracket Coverage
  • Split Field Coverage

Die Cover 0 (Reine Man Coverage) wird als sogenannte Blitz Coverage verwendet. Dabei können, je nach Offensive Formationen 5 oder 6 Man Perssure Blitze gespielt werden. Die übrigen Verteidiger spielen dann die WR Man 2 Man. Der Vorteil liegt darin, dass hoher Druck auf den QB ausgeübt werden kann. Allerdings birgt diese Art der Coverage auch Risiken “high risk – high reward”. Die DB sehen nur den WR und nicht was sonst um sie herum passiert. Es gibt keine Tiefe Absicherung durch einen Safety, was zu einem hohen Big Play Potential für die Offense führt.

Um das Big Play Potential der Offense zu minimieren, kann man einen Pass Verteidiger zu einer tiefen Absicherung abstellen. Man spielt dann eine Cover 1 (Man Free – Rat in the Hole) Bei dieser Art der Man Coverage werden weniger Defense Spieler für einen Blitz abgestellt, so entsteht ein 4 oder 5 Man Pressure Blitz. Dabei übt man durch die engere Man Coverage den meisten Druck auf den Quarterback aus. 

Die individuellen Techniken für den Db sind bei der Man Coverage äußerst vielschichtig. Hier sind zunächst die 3 verschiedenen Arten Man Coverage zu spielen zu nennen:

  • Press Man
  • Off Man
  • Jam Man

Press Technique

Die Press Technique ist wohl die engste Deckung, die ein DB gegen einen WR spielen kann. Der DB steht sehr nahe an der LOS und spielt eine hautenge Man Coverage. Allerdings ist dies auch mit enormen Risiko verbunden. Denn, ist der WR schneller als der DB, ist die Chance, bei einer tiefen Pass Route “abgehängt” zu werden, erheblich. Dieses resultiert dann folglich in einem Big Play. Der Vorteil besteht darin, dass der DB durch diese Form der Coverage mehr Druck auf den QB ausübt, was in Kombination mit Blitz oder tiefer Absicherung zu einer guten Form der Pass Verteidigung führt.

Die Press Technique lässt sich grob in 3 Abschnitte unterteilen:

  • Bumb
  • Glide oder Slip into the Pocket
  • Finish oder Closing, Strip & Tackle

Off Man Technique

Gegenüber der Press Technique, bei der der DB sehr nahe an der LOS steht, ist die Off Man Technique die eher softere Art der Man Coverage, Während die Press Technique eher für physische und schnelle Athleten geeignet ist, sind die Voraussetzungen für die Off Man Technique eine gute Hüftbeweglichkeit und ein gutes Gespür für Passrouten und Winkel. Die Schnelligkeit spielt dabei eine sehr untergeordnete Rolle. Die disziplinierte Ausführung bis zum Ende des Spielzuges hat die Off Man Technique mit der Press Man Technique gemein. Ebenso spielt Geduld wieder eine hilfreiche Rolle. Geduld heißt, das der DB nicht überheblich wird, wenn er in guter Deckung ist. Denn es gibt nichts Tragischeres als eine gute Deckung, bei welcher der WR dennoch den Ball fängt, weil der DB keine Geduld hatte und zu sehr eine Interception fangen wollte. Gerade bei der Off Man Technique resultieren technische Unachtsamkeit in eine große Trennung zum WR. Es braucht also eine sehr große Portion Geduld und Disziplin Man Coverage zu spielen und zur Unterstützung sollte man einem DB immer wieder vergegenwärtigen, dass eine Incompletion wie ein Laufspielzug ohne Raumgewinn ist und dies kommt selten genug vor. 

Ebenso wie die Press Technique, lässt sich die Off Technique grob in 3 Abschnitte unterteilen:

  • Backpedal & Break
  • Weave & Turn
  • Finish oder Closing, Strip & Tackle

Jam Man Technique

Bei der Jam Man Technique vereint man die Vorteile der Press und der Off Man Technique. Der DB steht dabei off und kann kurzen Pass Routen vor sich halten und diese sehr schnell attackieren. Bei allen tiefen Pass Routen spielt der DB eine physische Man Coverage mit den ähnlichen Techniken, wie bei der Press Technique. Der größte Vorteil der Jam Man Technique ist die Möglichkeit die gespielt Coverage zu verbergen (disguisen). So kann die Defense bis zum Snap eine 2 High Aufstellung beibehalten. Hier ist es wichtig den DBs das entsprechende On Snap Footwork zu lehren, damit er dann auch in der richtigen Position ist, den WR Man 2 Man spielen zu können.