Huddle oder No-Huddle

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Das Huddle ist ein kurzes Zusammenkommen der Offense bzw. Defense am Feld. Hier wird der nächste Spielzug angesagt. Doch warum extra ein Treffen am Feld wenn man die Codewörter auch so sagen kann?

Bleiben wir bei der Offense. Der Quarterback bekommt seine Call vom Coach. Dieser sieht das Spiel von der Sideline, oder von der Tribüne (Selten ins Deutschland) aus und hat so einen anderen Blickwinkel als der QB. Zudem hat sich der Coach einen Gameplan zurechtgelegt und kann schnell gut passende Playcalls weitergeben. Doch was, wenn die Defense sich anpasst?

Die Defense muss sich dem Personal auf dem Feld anpassen, um Missmatches zu verhindern. Ansonsten hat die Defense der Offense gegenüber aber den Vorteil, dass sie sich jederzeit am Feld bewegen darf und so das Alignment ändern kann. Dadurch verschafft sich die Defense – sofern sie sich durch Scouting gut vorbereitet hat – einen Vorteil der Offense gegenüber, da diese sich nicht frei bewegen kann. Warum also ein Huddle erst machen, wenn man keinen Vorteil dadurch hat?

Die veralteten Huddles sind somit ineffektiv. Dadurch verstehe ich jene Huddles, in denen langwierig ein Spielzug angesagt wird, oder gar (in unteren Ligen, oder unerfahrenen Teams) das Play besprochen oder erklärt wird. Die Offense verschwendet so nur Zeit und Energie, wenn das Huddle nicht geeignet organisiert ist.

Wie gestaltet man ein Huddle nun effektiv und effizient? Oder braucht man gar kein Huddle mehr?

Ganz abzuschreiben ist das Huddle nicht! Gute Leader können hier das Team motivieren und es verschafft dem Team Vertrauen für das nächste Play. Zudem ist es eine kurze Verschnaufpause.

Im Huddle selbst müssen natürlich der Spielzug und das Personal definiert sein. Das heißt, dass der Coach das entsprechende Personal auf Feld schickt, welches für den nächsten Spielzug erforderlich ist. Bei No-Huddle Offenses ist dies eher schwer, da der QB dies gleichermaßen verstehen und dirigieren können muss, wie ein Coach. Sind die Personal Fragen geklärt, kommt es zum Spielzug.

Wie oben bereits erwähnt, ist es nicht mehr üblich, einen Spielzug alleine anzusagen, sofern der Spielzug nur eine Option hat. Man muss den Vorteil der Defense nehmen, sich anpassen zu können, ohne dass die Offense danach nochmals eine Chance hat kurzfristig noch zu reagieren (man soll ja keine unnötige “Delay of Game” Strafe kassieren – 5 Yards sind das immerhin!) Wie kann man sich aber solche Optionen verschaffen, ohne die eigenen Spieler zu verwirren?

Eine allgemeine Lösung dazu gibt es nicht. Das wäre auch schade, denn gerade in solchen Situationen kann ein Coach kreativ werden. Es gibt daher viele unterschiedliche Lösungsansätze.

Beispiel:

Ein Coach könnte zum Beispiel einen Außenlauf über Links, mit einem Quickpass rechts kombinieren, im gleichen Play. Der Receiver rechts wird auf den Lauf links wenig Einfluss haben, sofern es kein Big-Play wird. Somit kann man den Receiver rechts mit einem Kurzpass versehen. Die Line ist bei einem kurz Pass noch im erlaubten Bereich Downfield, wodurch der Pass legal bleibt. Sieht der QB also eine gute Möglichkeit für den Pass, oder eine schlechte für den Run, spielt er statt dem Lauf einfach den Pass (Aufgrund der Regeln ist man hier am sichersten, wenn der Pass rückwärts ist – als einen Screen Pass).

Gecallt wird also ein Play und der QB kann sich je nach Defense aussuchen, welches Play besser passt.

Beispiel Call: Ace [Formation] Sweep [Play] Left [Richtung]

Notre Dame spielte beispielsweise nach diesem Prinzip.

Beispiel 2 – “Grünes Licht, Rotes Licht” – Prinzip beim Playcalling:

Der Quarterback kann natürlich auch zwei Spielzüge ansagen, ohne dass die Spielzüge in einem Call verpackt sind. Einen primären Call, und einen sekundären Call. Hier ist enorme Aufmerksamkeit der Offense Spieler gefordert, da man zwei Plays exekutieren können muss. Ich denke hier insbesondere an die Offensive Line, welcher die Blocks richtig setzen müssen.

Kommt Grünes Licht für das Primäre Play, wird es exekutiert, gibt es Rotes Licht, so kommt das Ersatz Play. Man kann dies auch der Einfachheit halber mit “Green” und “Red” callen. Farben scheinen ja Mode geworden sein im Football 🙂

Beispiel Call: Green Trey Quick Right Red Slam

Die Green Bay Packers sind eines der Teams, bei denen man dieses Prinzip vermuten kann – es ist schließlich nicht einfach nachzuweisen.

Kurzum, man kann sehr wohl mit einem Huddle viel erreichen, was das Playcalling und die Teamleistung betrifft. Warum dennoch viele erfolgreiche Coaches wie Chip Kelly einst, sowie manche Quarterbacks wie Cam Newton die No-Huddle Offense?

Nun, der primäre Vorteil ist in der Geschwindigkeit. Man umgeht die Zeit, die vergeht für den Weg zum Huddle, die Zeit im Huddle selbst, bis hin zur Aufstellung und dazu auch die Zeit für den Read der Defense (!). Spielt die Offense No-Huddle, stellen sich die Spieler gleich nach dem Spielzug auf. Offense wie Defense! Somit sieht der QB früher, was die Defense macht und hat so mehr Zeit, den am besten geeigneten Spielzug zu wählen.

Durch No-Huddle kann man Schwachstellen der Defense auch lange ausnutzen. Sei es dadurch, dass die Defense keine ausreichenden Anweisungen von deren Coaches bekommen kann, oder dadurch, dass die Defense keinen Spielerwechsel durchführen kann, um Mismatches auszugleichen. Die Offense kann die Situation also länger ausnutzen, zumal die eigene Kondition dies erlaubt.

Wie exekutiert man nun effizient eine No-Huddle Offense?

Man muss die Geschwindigkeit steigern. Also nicht nur das Huddle weglassen, sondern der Defense auch richtig Zeitdruck geben. Die Defense kann sich möglicherweise nicht rechtzeitig die Position bringen und die Offense übernimmt den Alignment Vorteil.

Es hängt also vor allem von der Situation ab, in der man sich befindet. In Situationen, in denen die Defense einen Spielerwechsel machen möchte, ist die No-Huddle Variante meiner Meinung nach am erfolgreichsten. Merkt man, dass die Defense einen Spieler vom Feld nehmen möchte, aufgrund eines Mismatches, mangels Kondition, oder wegen eines anderen Grundes, kann der QB und Coach – sofern es bemerkt wird – zur No Huddle Waffe greifen.

Doch man muss nicht auf solche Situationen warten. Bei Spielsituationen kann dies ebenso vorkommen. Die New England Patriots spielten beispielsweise nach einem weiten Pass (etwa 20 Yards) sofort No-Huddle, da sie nun an der 4 Yards Linie waren, und die Defense in einem Dime-Package (6 Defensive Backs, 4 Liner, 1 Linebacker) war. Beinhart ausgenutzt, konnte die Defense ihren Nachteil nicht kompensieren und konnte den schnellen Touchdown nicht verhindern. (Solche großen Personalwechsel werden in den unteren Ligen in Europa eher selten bis gar nicht gemacht)

Natürlich kann es auch sein, dass ein Coach die Geschwindigkeit des Spiels ankurbeln möchte (um in der 2 Minuten Phase noch zu scoren). Es ist dabei darauf zu achten, dass, wenn die No-Huddle Offense nicht funktioniert, man unbedingt damit aufhören muss, um wieder Ruhe, statt Hektik, ins eigene Spiel zu bringen.

Als Wichtigster Punkt gilt: Wann man ein No-Huddle Up “Tempo Team” sein möchte, muss man dieses auch im Training sein! Dies bedeutet für die Coaches, das diese On the Fly coachen muss. In Deutschland, haben wir gegenüber den USA den Nachteil, dass die Trainingsbeteiligung von Spielern und Trainer schwangt, dass man oft improvisieren muss, Ausfälle nicht kompensiert bekommt, gerade auch in der Line. Kurz Um, wir müssen mit vielen Sachen dealen, die in den USA nicht so vorkommen, deshalb sind manche Dinge einfach schwerer zu implementieren, als im Mutterland des Sportes. Trainings Stunden und Football Knowledge außen vorgelassen.

Wie callt man ohne Huddle?

Ohne Huddle, braucht man Codes (Ähnlich “Audibles”), die der schnellen Kommunikation dienen. Doch das ist ein Thema, das jeder Coach, jedes Team, ja selbst jeder Spieler anders angehen würde. Seien es Kombinationen aus Farben, Zahlen, Namen, Städten, —– oder seien es Gesten wie die Hand auf den Kopf, Fingerkombinationen, oder andere Verrenkungen. Das Wichtigste dabei ist letztlich, dass sich alle eigenen Spieler schnell auskennen, hingegen der Gegner nicht in der kurzen Zeit den Code entschlüsseln kann. Die Oregon Ducks beispielsweise nutzen Wörter (jeweils eines pro Play) um schnell zwischen Plays wechseln zu können.

Schlussendlich glaube ich aber, dass die No-Huddle Variante eine sehr gefährliche Waffe sein kann, wenn man sie gut einzusetzen weiß. Ohne ein Huddle, wird aber keine Offense auskommen.