Der Spieler Prototyp

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  • Klar, will jedes Team auf allen Positionen die besten Spieler haben!
  • Klar, sollen alle möglichst stark, schnell und dabei noch mit Herz und Hirn bei der Sache sein!

Eine reine Utopie, oder doch nicht?

Coaches bilden sich für ihre jeweiligen Zwecke sogenannte “Prototypen” für die Positionen. Ein Fullback wird in der Vorstellung gleich anders aussehen, ob man ihn als Blocker, oder als Option im Passing Game sieht.

Was bewirken Prototypen?

Ein Prototyp ist – um es einfach zu sagen – das Ziel auf das man hinarbeitet. Die Voraussetzung soll möglichst den Kriterien schon entsprechen. Dabei wird oft ein klassischer Denkfehler gemacht. Denn, die Kriterien unseres Auswählens, sind in der Regel stark durch die äußeren Wahrnehmungen geprägt.

Ein 2,10 Meter großer Spieler mit 150kg wird am ehesten in der Line gesehen. Das mag auch für dieses Beispiel richtig sein, da die hier genannten Indizien nicht ausreichen, um das zu beurteilen. Viele Coaches machen den Denkfehler der “Falschen Attribution”.

Zurück zum Prototyp: Wenn man als Coach (s)ein System aufbauen möchte, so weiß man auch, was man von welchen Spielern erwartet und welche Kriterien sie benötigen.

Zum Beispiel könnte man zwei schnelle Receiver für das Offense System benötigen.

Die Position Coaches arbeiten nun mit den vorselektierten Spielern auf diesen Prototypen hin. Auf dem Weg kann und wird es passieren, dass ein Spieler nicht geeignet ist. Dabei wäre es zu überlegen, ob man ihn nicht auf einer anderen Position eher sieht. Wie alles im Leben, gibt es auch hier keine Konstanten. Spieler verändern sich eben und möglicherweise damit auch die Eignung für Positionen.

Wie legt man die Kriterien fest?

Nun, es gibt zahlreiche vordefinierte Erwartungen in den meisten Köpfen. Man kann sich daran orientieren. Aber Vorsicht: Wer hat die Erwartungen geprägt? Ist es das gleiche System? Ist das auch das, was der Coach will? Soll es tatsächlich in diese Richtung gehen. Ist das nicht Stereotyp oder veraltet?

Ein Beispiel: Ein Offensive Liner wird mit dem Prototyp von Coach X so beschrieben, dass dieser groß, schwer und stark ist. Coach X befindet sich in einer Smash-Mouth Offense. Coach Y geht nun her und übernimmt das Denkmuster in einer West Coast Offense und sucht sich genau solche “Big Guys”. Coach Y verliert seinen Posten, weil die Offensive Line in diesem System versagt.

Was war der Fehler? Ganz einfach: Der Prototyp einer Smash-Mouth Offense Line mag auf Kraft und physische Dominanz bauen. Eine West Coach Offense Line braucht schnelle Spieler, die auf Technik baut. In diesem System sind die “Big Guys” der Smash-Mouth Offense einfach zum Scheitern verurteilt – besser gesagt: deren Coach Y.

Es empfiehlt sich allemal, seine eigenen Kriterien festzulegen!

Dabei kann man damit anfangen, dass man die Position auf verschiedene Bereiche zerlegt. Zum Beispiel Kraft, Ausdauer, Körpergröße, Gewicht, Geschwindigkeit in verschiedenen Varianten, Football IQ und viele mehr.

Es entsteht als eine Liste, die man nun gewichten kann. Wie wichtig ist auf einer Skala von 1-7 (als Beispiel) die Körpergröße für diese Position?

Als nächstes kann man dann … äh Moment mal, was ist denn soeben passiert? Richtig, der Prototyp ist entstanden. Denn: Man hat nun eine Aauflistung von Kriterien und die “Prioritäten” (Gewichtung) der Bereiche. Diese Priorisierung kann mann (und soll man) für wirklich jede Position und nicht für ganze Positions Gruppen machen. Also für den Middle Linebacker getrennt von dem Weakside Linebacker usw.

Übrigens soll die Gewichtung ein Gesamt-Punktelimit haben, da man sonst überall das Maximum hergibt!

Was macht man nun mit diesem Prototyp?

Wie bereits erwähnt, soll der Prototyp den am besten geeigneten (vollendeten) Spieler darstellen und man soll die einzelnen, vorselektierten Spieler / Anwärter in diese Richtung trainieren.

Doch ein wichtiger Schritt ist noch nicht gemacht!

Der Coach muss nun hergehen und die Kandidaten anhand dieser Leistung bewerten. Eine schwere wenngleich wichtige Prozedur.

Auf diesem Weg findet der Coach nämlich heraus, welche Spieler – in Verbindung mit der Gewichtung – in Summe die Besten sind (z.B. für die Starting Position, Second String und reine Backups). Dazu bekommt man auch automatisch eine Aussage darüber, in welchen Bereichen der Spieler noch “Nachhilfe” braucht. Der Trainingsfokus sollte so klarer sein.

Einen Haken hat dieses mächtige Tool aber; und das ist der Coach! Der Coach muss wieder einmal die schwere Aufgabe bewältigen, sich getrennt von emotionalen, individuellen, äußeren und persönlichen Einflüssen die Spieler zu bewerten. Das mag leichter erscheinen, als es ist. Manche Kriterien sind leicht zu messen, wie die Sprint Geschwindigkeit auf 40 Yards, das Limit beim Bankdrücken, oder die Körpergröße. Spielverständnis, Einsatzbereitschaft, den Siegeswillen wird man nur schwer einschätzen können.

Hierbei hilft es sicher, wenn sich der Coaching Staff gemeinsame Gedanken macht. Auch hier kann man zu einer gemeinsamen Spieler Bewertung kommen. Das man diese Prozedur im Amateursport nicht nach jedem Training machen kann, ist klar. Daher sollte es bei den regelmäßigen Coaching Sitzungen zu solchen Bewertungen kommen.

In Summe ist also ein Prototyp die Basis für die qualitative, nachhaltige Weiterentwicklung von Spielern.