Der Rollout Pass

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Das Lied “Ridin” von Chamillionaire feat. Krayzie Bone trifft es schon ganz gut: jeder Defenseive Coordinator verflucht den Rollout Pass. Dieser ist, sofern gut ausgeführt, extrem gefährlich für jede Art von Defense.

Was ist der Rollout Pass überhaupt?

Als Rollout wird die Bewegung (das Movement) des Quarterbacks bezeichnet, in der dieser sich außerhalb seines sonst üblichen beschützten Bereiches (Pocket) in Richtung Sideline begibt. Das bedeutet, dass er nicht in seiner Pocket ist, sondern von außerhalb den Pass wirft.

Wie wird der Quarterback auf freiem Feld beschützt?

Man würde nun erwarten, dass die Defense sich nichts mehr wünscht, als wenn der Quarterback seinen geschützten Bereich verlässt, da er so viel leichter gesackt werden kann. Das ist auch prinzipiell richtig, gäbe es da nicht das Wörtchen “aber”. Denn meist wird der Rollout mit einer Play Action kombiniert, wodurch die Defense zu einem falschen Punkt geführt wird. Meist ist dies ein angetäuschtes “Strech Play” zu jener Seite, auf die der Quarterback nicht will. Alternativ gibt es auch Blocking Schemen ohne Play Action (z.B. durch Pulling Techniken der Offensive Line, oder “Lead Blocks” der Running Backs), durch die der Quarterback auf seinem Rollout beschützt wird.

Was bewirkt der Rollout Pass?

Die Offense wird dies nur dann machen, wenn sie einen Vorteil daraus zieht. Der Vorteil kommt daher, dass man durch den Rollout einerseits die Gefahr weckt, dass der Quarterback selbst losrennt und die Defense diese Gefahr zusätzlich verteidigen muss, Andererseits versetzt man auch den Abwurfpunkt des Passes.

Vielen leuchtet die Scrambling Gefahr schnell ein. Die echte Gefahr für die Defense entsteht hingegen tatsächlich durch den geänderten Abwurfpunkt.

Was ist daran gefährlich?

Football ist ein Spiel, bei dem es oft um Winkel geht. Sei es für die bessere Kraft Ausnutzung (Winkel des Hebels), um die Kraftwirkung (z.B. Winkel beim Block), oder um den Weg abzuschneiden. Letzteres kommt aber nicht nur beim Tacklen zur Anwendung, sondern eben auch um die Anspiel Stationen (Receiver) der Offense zu eliminieren.

Der Defense Spieler will in jeder Coverage den Ball haben, oder diesen vor dem Catch wegschlagen. Dies kann er nur dann machen, wenn er zwischen Receivern und Quarterback platziert ist (Alignment), da der Pass schließlich eine gerade Linie zwischen Quarterback und Receiver darstellt.

Nun sollte die Begründung, etwas erleichtert, verständlich sein, denn: Der versetzte Abwurfpunkt zwingt die Defense Spieler, ihre sonst üblichen Alignments zu verändern, sodass diese wieder zwischen Quarterback und Receiver stehen. Dass dies meist nicht leicht ist, erklärt sich von selbst.

Natürlich gibt es eine Vielzahl an Gründen, aber der in meinen Augen wichtigste ist folgender: Der Rollout ist eine High Risk – High Reward Strategie. Man riskiert, dass sich die Defense Spieler auf dem (ungeschützten) Quarterback stürzen können. Genau dieses Risiko der Offense, öffnet die Chance für die Offense.

Gibt es noch einen Grund für den Roll Out?

Wenn der Rollout Pass so einfach ist, warum spielt man ihn dann nicht immer?

Es ist nun mal so, dass ein helles Licht auch einen dunklen Schatten wirft. Denn der Rollout Pass hat auch (abgesehen vom ungeschützten Quarterback) einen weiteren großen Nachteil!

Durch die Rollout Bewegung des Quarterbacks, nimmt sich die Offense nämlich auch einige Möglichkeiten. Wer es schon mal probiert hat weiß es bereits; der Wurf aus einer Laufbewegung, oder gar entgegen der Laufrichtung ist sehr ungenau und fast unmöglich. Auch die Wurfkraft, sowie die “Spirale” leidet unter dem Rollout.

Dies wiederum gibt der Defense die Möglichkeit, den Rollout – sofern frühzeitig erkannt – mit einer zur Rollout Seite verengten Coverage zu begegnen, da ja der Wurf entgegen der Laufrichtung keine Gefahr mehr darstellt, bzw. man könnte in die Gegenrichtung nach “Reset” des Quarterbacks wieder schnell reagieren.

Kurzum: Der Rollout Pass muss mit klar designten Pass Plays kombiniert werden, welche im besten Fall mit einer Play Action versteckt wird und dem Quarterback noch die Option des Srcambles gibt. Dann funktioniert der Rollout und wird zu einer echten Last für die Defense, die nun vermehrte Aufmerksamkeit auf den Quarterback legen muss und gleichzeitig den Run nicht außer Augen verlieren kann.