WPA

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Nach Jahrzehnten der dokumentierten Spielverläufe ist eines in der NFL gewiss: Kaum eine Spielsituation kam "noch nie" vor. So ziemliche jede Spielsituation in der NFL kam schon etliche Male bisher vor. Jede Entscheidung, die von einem Coach getroffen wird, passiert demnach nicht in einem Vakuum, sondern sie ist beeinflusst von etlichem Vorwissen: dem bisherigen Spielverlauf, dem eigenen Selbstvertrauen und dem statistischem Kontext.

Warum kicken Coaches Field Goals beim 4th Down innerhalb der 20? Weil sie schätzen, dass ihr Kicker da eine ca. 95%ige Trefferquote hat, ihre Offense aber eine deutliche geringere Chance hat, das First Down zu erzielen. Jeder Coach rechnet, ob bewusst oder unbewusst, mit solchen Fragen herum. Es gibt allerdings auch "von außen", dank der guten Aufzeichnungen und den genau protokollierten Spielverläufe, die Möglichkeit solche Situationen zu analysieren. Die Daten sind ja alle vorhanden.

Diese Idee steckt hinter Brian Burkes WPA-Modell: Win Probability Added. Der Gründer von Advanced NFL Stats hat für jede denkbare Spielsituation die Wahrscheinlichkeit eines Sieges errechnet, aus der besagten Fülle an Daten, die bisher gesammelt wurden. Eli Mannings Giants hatten, kurz vor David Tyrees legendärem Catch in Superbowl XLII, eine 14%ige Siegwahrscheinlichkeit: Teams, die 4 Punkte hinten sind und ein 3rd and 5 1min 15sec vor Schluss an der eigenen 44 haben, gewinnen im Regelfall nur in einem von sieben Fällen. Mannings Pass führte zu einem 1st and 10 an der gegnerischen 24, eine Situation, die Teams in 46% der Fälle - also fast jedes zweite Mal - zu einem Sieg fertigspielen. Der Spielzug allein machte also einen gewaltigen Sprung von 32% Gewinnwahrscheinlichkeit - oder einer WPA von 0.32 - aus. Die meisten legendären Spielzüge weisen hohe WPAs aus, weil sie ihre Spiele  maßgeblich beeinflussten oder wendeten.

Aber jeder auch nicht so legendäre Spielzug verändert die Gewinnwahrscheinlichkeit einer Mannschaft ein wenig, mal zum Positiven (im Regelfall wenn sie punkten, ein First Down machen oder gute Yards erzielen) mal zum Negativen (Turnovers, Raumverluste, Strafen). Man kann nun also für jeden Spielzug und die darin involvierten Spieler sagen, wieviel Gewinnwarhscheinlichkeit er gebracht oder gekostet hat und so nicht nur analysieren, was gute und besonders "clutch" Spielzüge sind, sondern auch was "smarte" Entscheidungen sind und was nicht.

Bei den 4th Downs ist das z.B. mittels des 4th Down Calculators möglich: Hier kann man eingeben, in welcher Spielsituation das 4th Down passierte, und der Rechner rechnet aus, wie gute die Gewinnchancen stehen, wenn man ausspielt und konvertiert, wenn man ausspielt und scheitert, wenn man puntet, usw. Es lässt sich auch der "break even" berechnen: Wenn ein Coach glaubt, dass seine Offense eine bessere Chance hat ein First Down zu erzielen, als die dort berechnete Zahl, dann ist es schlauer auszuspielen.